Von der Verklärung des Herrn

Marzahn - Neufahrwasserweg 8 | 12685 Berlin

Kirchengeschichte

Anfang der achtziger Jahre ermöglichte ein Sonderbauprogramm die Errich­tung von Sakralbauten in der DDR, speziell in den neuen Großsiedlungen. So konnte am 27.10.1984 der Grundstein für ein neues Pfarrzentrum gelegt wer­den. Da die Kirche im Sinne der Staatsmacht nicht an renommierter Stelle gebaut werden sollte, erhielt sie die Adresse Neufahrwasserweg 8, obwohl sie letztendlich doch an der größten Straße Marzahns der damaligen Leninallee steht und weithin sichtbar ist. Die Pläne für die Kirche „Von der Verklärung des Herrn“ sowie die Innen­ausstattung schuf der Architekt Hermann Korneli.

Die Kirche bildet eine Einheit mit dem mehrstöckigen Gemeindehaus und einem eingeschossigen Zwischenbau, in dem sich der Gemeindesaal und weitere Räume befinden. An der Nordwest-Ecke des Komplexes steht ein halboffener, 29 Meter hoher Glockenturm mit drei Glocken. 

Ein Wort zur Verklärung des Herrn mit Pfarrer Kaschubowski als Audio Download: Apropos Verklärung des Herrn mit Kaschu

Beim Betreten der Kirche durch den Haupteingang dominiert der Korpus des leidenden Christus den Eindruck des Betrachters. Dieser ist eine Leihgabe der katholischen Kirchengemeinde Berlin-Kaulsdorf und hatte eine bewegende Geschichte hinter sich, bis er in der Karwoche des Jahres 2000 in der Kirche: „Von der Verklärung des Herrn“ den Altarraum erreichte. 

1930, im Jahr der Gründung des Bistums Berlin, wurde am 3. August die neu geschaffene katholische Pfarrkirche „St. Martin“ in Berlin-Kaulsdorf durch den ersten Bischof des Bistums, Dr. Christian Schreiber, geweiht. Für diese Kirche hatte der Bildhauer Hans Perathoner den vier Meter hohen Korpus geschaffen. Dieser wurde mit einem Beil aus einem Eichenstamm herausgehauen und absichtlich rau und roh belassen. In keiner Kirche Deutschlands gab es etwas Vergleichbares; die expressionistische Darstellung polarisierte sehr stark. 

Im Dezember 1930 suchte Bischof Dr. Schreiber die Pfarrkirche „St. Martin“ auf und bat um die Entfernung des Kreuzes. Das Kreuz wurde an im September 1931 abgebaut. Das ausschlaggebende Hauptargument war, dass die Darstellung aufgrund der drastisch und hässlich wirkenden Deformierung „darwinistisch“ sei. Sie zeige den Menschen nicht als Ebenbild und Kunstwerk Gottes, sondern solle glauben machen, der Mensch stamme vom Affen ab.

Der abgebaute Korpus wurde aufbewahrt und hing zwischen 1964 und 1986 in der evangelischen Hoffnungskirche in Pankow. In der Karwoche 2000 wurde er dann im Altarraum der Pfarrkirche „Von der Verklärung des Herrn“ aufgehangen.

Bei einem ersten Blick schrickt der Betrachter vielleicht zurück, aber je länger er diese eindrucksvolle Darstellung betrachtet, umso stärker erkennt er: Die Darstellung des Korpus zeigt den am Kreuz Gemarterten als Mensch, der für uns Menschen übermenschliches Leid erduldet.